Der Fußmarsch von Dachau und Allach

mit dem Ziel Tirol

Die ersten Häftlinge des Konzentrationslagers Dachau wurden am Abend des 26. April 1945 gegen 21 Uhr in Marsch gesetzt.[1] Insgesamt verließen an diesem Abend 6 887 Häftlinge das Konzentrationslager.[2] Bereits um 18 Uhr, also drei Stunden vor Beginn des Marsches aus dem Konzentrationslager Dachau, wurden laut der Aussage des ehemaligen SS-Angehörigen Kurt Pröhl die ersten Häftlinge des KZ-Außenkommandos Allach auf Marsch geschickt.[3] Während Pröhl von etwa 700 bis 800 und der ehemalige SS-Mann Erich Lippert nur von etwa 500 Häftlingen spricht, mit denen sie wegmarschierten, gibt das Mitglied der Wachmannschaft Michael Maubach die Zahl der Häftlinge mit 2 000 an.[4] Das Marschziel sollte sowohl für die Dachauer als auch für die Allacher Häftlinge Tirol sein.

Die Tage und Stunden vor dem Abmarsch

Sehr ausführlich berichtet der ehemalige Häftling Franz Scherz über den Marsch der Dachauer Häftlinge und über die Tage vor dem Abmarsch. Nach seinen Angaben hatte die Lagerkommandantur schon am 22. April 1945 damit begonnen, alles mögliche aus dem Lager wegzuführen, darunter auch verschiedenes Häftlingseigentum.[5] Die Häftlinge rätselten, was die SS mit ihnen beim Herannahen der Alliierten machen würden. Würde die SS das Lager friedlich übergeben oder das Lager samt Häftlinge räumen oder gar liquidieren?  Der damalige Häftling Arthur Haulot hielt am 21. April 1945 in seinem Tagebuch fest:

"Die verschiedensten falschen Gerüchte sind im Umlauf. Massendeportation nach Tirol. Oder in die Schweiz. Eine weitere Version: nur die Deutschen werden verlegt. Dagegen steht die Meinung derjenigen, die annehmen, daß Dachau dort bleibt, wo es ist und offiziell den Alliierten übergeben wird. Die allgemeine Erregung wird durch bizarre Anordnungen, von denen man nicht weiß, wo sie herkommen, noch geschürt. An einem Tag wird ein Verzeichnis der eventuell zu deportierenden Franzosen angefertigt, am nächsten Tag die Anzahl der zu transportierenden Juden festgelegt. ... Die größten Pessimisten sprechen natürlich von einer Liquidierung Dachaus nach dem klassischen Muster: Massenexekution oder Gaskammer."[6]

Die Häftlinge begannen, sich auf eine mögliche Räumung des Lagers vorzubereiten. Einige fertigten sich Beutel zum Umhängen an, in denen sie ihre wenigen Habseligkeiten und die wichtigsten Gebrauchsgegenstände transportieren konnten.[7] Von Tag zu Tag wuchs die Aufregung, sowohl bei den Häftlingen als auch bei der SS. Die Ereignisse begannen, sich zu überstürzen. Am 23. April, schreibt Haulot in sein Tagebuch, wird im Lager "ein 'Ordnungsdienst' von 600 Leuten" gebildet. Ihre Aufgabe soll sein, "beim Transport für Ordnung" zu sorgen. Die hierfür ausgewählten Häftlinge hatten "Zivilkleidung ohne Zeichen und Nummer" und eine weiße Armbinde zu tragen.[8] Im Lager trafen unterdessen immer mehr Häftlinge ein. Sie kamen aus anderen Lagern und aus verschiedenen Außenkommandos und "schienen das Lager zu sprengen; es war unvorstellbar, wo die alle unterkommen sollten", schreibt Scherz.[9] Am 25. April wurden die ersten sogenannten prominenten Häftlinge aus dem Lager gebracht.[10] Im Laufe des nächsten Tages folgten ihnen der ehemalige österreichische Bundeskanzler Kurt Schuschnigg und der ehemalige französische Ministerpräsident Léon Blum. Franz Scherz schreibt hierüber:

"Nach geraumer Zeit kam der erwähnte Pferdewagen wieder zurück aus dem Bunker, hochbeladen mit Koffern und Gepäckstücken, auch Teppichen. Obenauf sah man ein paar Sitzplätze gerichtet, dahinter gingen unter SS-Bewachung zivile Gefangene. Plötzlich ein Gemurmel: 'Der Schuschnigg! Der Schuschnigg!' Tatsächlich, hinter dem Wagen ging als erster der ehemalige österreichische Bundeskanzler Dr. Schuschnigg mit Frau und Tochter. Dann folgte Leon Blum, der französische Sozialistenführer, ebenfalls mit seiner Frau. Einige der Häftlinge grüßten Schuschnigg, der die Grüße erwiderte, der Großteil jedoch blieb stumm und ließ ihn schweigend vorbeiziehen."[11]

Beim Morgen-Appell am Donnerstag, dem 26. April 1945, trat nun ein, was die Häftlinge seit Tagen befürchtet hatten: "Keines der außerhalb des Lagers beschäftigten Arbeitskommandos durfte ausrücken! Alles blieb im Lager!"[12] Schließlich folgte der Befehl, dass um 12 Uhr "das ganze marschfähige Lager reisefertig auf dem Appellplatz" zu stehen habe. Eßgeschirr und Decken seien mitzunehmen.[13] Scherz berichtet, nach diesem Befehl eilten die Häftlinge "nervös hin und her, keiner wußte recht, was er zuerst tun sollte, jeder suchte irgendwas, ohne zu wissen, was eigentlich."[14] Dann folgte um 12 Uhr mittags zum letzten Mal das Zeichen zum Sammeln auf dem Appellplatz.[15] Nachdem die Häftlinge auf dem Appellplatz angetreten waren, durften bis auf die deutschen, österreichischen, russischen und jüdischen Häftlinge alle anderen wieder zurück in ihre Baracken. Die auf dem Appellplatz verbliebenen mussten stehen bleiben. Scherz: "Stundenlang dauerte dieses Herumstehen. Ab und zu hieß es antreten, ausrichten, es wurde gezählt und wieder gewartet. So ging das stundenlang."[16] Dann kam der Befehl, "alle Invaliden und Fußmaroden sollen austreten, sie bleiben im Lager!"[17] Was sollten die Häftlinge tun, im Lager bleiben oder auf Marsch gehen? Kranke und Invalide bedeuteten für die Machthaber des Dritten Reiches unnütze Esser und gingen daher zumeist einem sicheren Ende, einer gezielten Vernichtung entgegen. Wie sie sich auch entschlossen, ihr Schicksal war ungewiss. Schließlich wurde den Häftlingen Marschverpflegung für 3 Tage ausgegeben. "1 Dose Konserven, 2/3 Brot (etwa 1 kg) etwas Käse und Margarine", berichtet Scherz.[18] Am Abend kam Bewegung in die Wachmannschaft. Der Beginn des Abmarsches rückte näher:

"Wir standen und warteten noch immer. Seit 12 Uhr Mittag! Später sah man, daß draußen, vor dem Tor des Jourhauses, bewaffnete Mannschaften eingeteilt wurden. Um etwa 21 Uhr kam Bewegung in sie. Die Mannschaften marschierten in endlos scheinenden Kolonnen ins Lager, schwer bewaffnet mit Karabinern und Pistolen, Handgranaten griffbereit vorne in der Koppel. In bestimmten Abständen waren Hundeführer eingeteilt, die die dressierten Bluthunde an der Leine führten. Ein deprimierender Anblick!"[19]

Der Abmarsch

"26. April 1945. Die erwartete Bombenexplosion hat stattgefunden: die Deutschen und die Russen verlassen das Lager. Schlimmer Tag! Josef muß uns verlassen. Ich liebte ihn wie einen Bruder, und er erwiderte meine Zuneigung. Unter den Deutschen und Österreichern habe ich noch viele andere Freunde. 7 500 sollen heute Nacht das Lager verlassen. Der Rest morgen. Aber wer weiß, was morgen sein wird. Eine ungewöhnliche Sache macht uns rasend: seit zwei oder drei Tagen keine alliierten Luftangriffe mehr. Auch der Kanonendonner, den wir seit einigen Tagen deutlich vernahmen, hat aufgehört."[20]

In drei Gruppen, die wiederum in Marschblöcke unterteilt waren, verließen, in Hundertschaften geordnet, die Häftlinge das Lagergelände. Die Russen bildeten die Marschspitze, gefolgt von den Juden und den sogenannten Reichsdeutschen.[21] "'Mützen ab!', das niederträchtige Kommando, erschallt zum letzten mal in Dachau", hält der ehemalige Häftling Heinrich Pakullis fest.[22] Und der ehemalige Häftling Franz Scherz schreibt über den Moment des Abmarsches:

"Lagerführer Ruppert, der Massenmörder von Auschwitz, und Rapportführer Böttger, der Genickschußspezialist, überwachen in der Maske von Biedermännern den Ausmarsch. Wahrhaftig kein gutes Vorzeichen."[23]

Erste Häftlinge brechen zusammen

Schon kurz nach Beginn des Marsches brachen die ersten Häftlinge zusammen. Der ehemalige Häftling Heinrich Pakullis schreibt:

"Da liegt schon ein Mann im Graben. Hilfsbereit eilen seine Kameraden herbei, um ihn mitzuschleppen. Andere rufen: 'Laßt ihn liegen, man wird ihn vielleicht noch ins Lager bringen.' Der nächste sinkt ohnmächtig zusammen. Ein Pastor setzt seine zwei Kisten ab, weil er sie nicht mehr schleppen kann. Der Schweiß rinnt ihm über das Gesicht. Er weint und jammert."[24]

Es dauerte nicht lange, da war die Straße mit fortgeworfenen Gegenständen, Tornistern, Rucksäcken, Decken und Mänteln übersät, die die Häftlinge nicht mehr tragen konnten. Die Häftlingskolonnen zogen sich immer weiter auseinander: "Die Hundertschaften halten nicht mehr zusammen. Marschordnung in Fünferreihen ist nicht mehr durchzuhalten. Die SS ist des Fluchens und Prügelns müde. Den Wehrmachtsmännern ist alles egal", schreibt Pakullis. Und weiter:

"Es begann zu regnen, und wir stolperten über Menschen, die zusammengebrochen sind. Noch sind es nur Ohnmächtige. Aber bald sehen wir auch die ersten Toten. Nur wenig Blut; ein kleiner blutiger Fleck auf der Stirn, aber im Nacken ein großes Loch. Also es geht schon los."[25]

Die erste große Marschpause

Die Strecke, die die Häftlinge zurücklegen mussten, führte über Allach, Pasing, Gräfelfing, Planegg, Krailling und Gauting nach Leutstetten, wo am 27. April gegen 11 Uhr vormittags die erste große Marschpause eingelegt wurde.[26] Hier trafen die Dachauer mit den Allacher Häftlingen zusammen, die kurz zuvor dort angekommen waren. Franz Scherz berichtet:

"Gegen 11 Uhr vormittags kamen wir in eine Waldschlucht, möglicherweise die Würmschlucht. Links von der Straße floß ein Bach, weiter vorne befand sich eine Brücke. Beiderseits der Schlucht, steile Berghänge. Der Berg links ging ziemlich hoch hinan und hatte schütteren Buchenbestand. Als wir von der Straße abbogen und über die Brücke gingen, sahen wir, daß es auf den Hängen nur so wimmelte von Menschen, Häftlingen, die schon vor uns eingetroffen waren und vermutlich aus den Rüstungsbetrieben Allach u.a. stammten. Das Gelände war in Abschnitte eingeteilt, und jeder dieser Abschnitte war von bewaffneten SS-Leuten umstellt. Auch wir erhielten unseren Sektor zugeteilt und sollten uns da ausruhen."[27]

Der ehemalige Allacher Häftling Herrmann Riemer schreibt über die Ankunft der Dachauer Häftlinge:

"Wenig später erscholl dann der Ruf: 'Die Dachauer kommen!' Und tatsächlich sahen wir hinter dem Ufergebüsch die graue Schlange der Kolonne sich langsam heranschieben, und kurz darauf wimmelte der Berghang von Zebras, als wäre er nur ein großer Ameisenhaufen, den eine störende Hand in Unruhe versetzt hatte."[28]

Die Dachauer und Allacher Häftlinge wurden durch eine Postenkette getrennt gehalten. Wer konnte, schlief ein wenig. Andere machten Feuer an, um sich ein wenig daran zu wärmen. Halbverdurstete Menschen ließen sich am Bach auf die Knie fallen, um zu trinken.

Am späten Nachmittag kam der Befehl zum Weitermarsch. Die Häftlinge wurden wieder in Hundertschaften eingeteilt. "Zahllose Kranke blieben liegen, die durch Genickschuss oder Kolbenschlag erledigt wurden", schreibt der ehemalige Häftling Rupert Schmidt.[29] Zwischen 19 und 21 Uhr erfolgte der Weitermarsch in Richtung Starnberg.[30]

Tote säumen den Weg

"Die Mehrzahl der Häftlinge" war schon "vollkommen erschöpft", berichtet Pakullis. Und weiter:

"Kaum sind wir auf der vom Regen aufgeweichten Straße, liegen schon wieder Häftlinge vor uns; erst ein Russe, tot, da der zweite, den Kopf im Straßenschlamm. Bald liegen ganze Reihen. Es waren auch viele Ohnmächtige dabei, oder viele, die ihre Kräfte sparen wollten. Die Wehrmachtsposten setzten sich daneben."[31]

"Vor und in Starnberg sind es schon hunderte Kameraden, die, den Strapazen nicht gewachsen, links und rechts die Straßenränder säumen", schreibt auch der ehemalige Häftling Gross.[32] Sie werden "wie Bündel Holz auf Haufen zusammengetragen" und von abgestellten Posten bewacht, schreibt er weiter. Der ehemalige Häftling Karl Weber hält fest:

"Und wir, die am Schluß des Elendszuges marschierten, mußten miterleben, daß viele Kameraden nicht mehr mitgehen konnten, weil sie zu schwach waren. Hinter uns ging ein Trupp der SS mit Bluthunden und mit Maschinengewehren. Immer wieder krachte ein Schuß nach dem anderen. Wer nicht mitkam, der ist Gnadenlos abgeknallt worden. Und wie viele gab es, die fußleidend und halbverhungert waren? Das war furchtbar."[33]

Nur wenige Häftlinge, die nicht mehr laufen konnten, wurden auf Karren oder Lastkraftwagen geladen und so weitertransportiert. Der ehemalige SS-Angehörige Fritz Degelow gab im Dachau-Prozeß an, dass hierzu von der Polizei in München fünf Lkws zur Verfügung gestellt worden seien und diese am 27. April zweimal die Strecke Pasing - Starnberg fuhren.[34] Die Durchfahrt von mit Häftlingen beladenen Lkws wird aus Dorfen bestätigt. Dort passierte sogar ein Unfall, als am Vormittag des 28. April ein Traktor mit Anhänger, auf dem marschunfähige Häftlinge transportiert wurden, am steilen Dorfener Berg umkippte. [35]

Statt westlich, wie ursprünglich vorgesehen, ging der Marsch östlich des Starnberger Sees weiter.[36] Die Front war schon zu nah herangerückt. So marschierten die Häftlinge von der Stadt Starnberg über Percha weiter nach Berg. Hier zweigte ein Teil des Zuges in Richtung Münsing ab.[37] Der andere, größere Teil der Häftlinge wurde von Berg aus kommend über Aufkirchen in Richtung Höhenrain und Dorfen weitergetrieben. Von Dorfen erfolgte der Weitermarsch über Wolfratshausen in Richtung Beuerberg.

Das Lager im Wald bei Bolzwang

Fünf Kilometer südlich von Wolfratshausen wurden die Häftlinge zwischen Achmühle und Eurasburg in einen Wald geführt. Hier sollte Rast gemacht werden. Die Häftlinge bezeichneten den Lagerplatz nach dem Namen der kleinen Ortschaft Bolzwang, die oberhalb der Straße nach Beuerberg liegt und deren Bahnstation bei Achmühle war.

Die Häftlinge erreichten den Lagerplatz am 28. April. Um wieviel Uhr die ersten und die letzten Häftlinge der Marschkollonne dort ankamen, lässt sich heute nicht mehr genau klären. Der ehemalige Häftling Franz Scherz gibt die Uhrzeit mit 10 Uhr vormittags an.[38] Ein anderer spricht von 9.30 Uhr.[39] Da die ersten Häftlinge bereits in der Nacht vom 27. auf den 28. April durch Wolfratshausen und weiter in Richtung Beuerberg zogen, dürften die ersten Häftlinge jedoch schon wesentlich früher den Lagerplatz bei Bolzwang erreicht haben.

Am Lagerplatz angekommen, mussten sich die Häftlinge, die "bis auf die Haut durchnäßt" waren, links und rechts der Straße in den Wald begeben. Mit Hilfe von kleinen Bäumen, Reisig und Decken richteten sie sich im Laufe des Tages gruppenweise notdürftige Unterstände her, unter denen sie vor Regen, Schnee und Kälte ein wenig Schutz suchen konnten. Feuer wurde gemacht. Dennoch fanden die Häftlinge keine rechte Möglichkeit, sich auszuruhen, denn der Waldboden war nass und aufgeweicht und von den Bäumen tropfte es ständig. Einzelne Häftlinge versuchten, aus dem Wenigen, was sie hatten, etwas zuzubereiten. So wird berichtet, dass sie aus Schnee und jungen Trieben von Nadelbäumen Tee kochten.[40]

Insgesamt lagerten im "Bolzwanger Forst" mehrere tausend Häftlinge. Franz Scherz: "Nach einigen Minuten glich der Wald einem Heerlager." Fritz Degelow, ein ehemaliger SS-Sturmbannführer und Verantwortlicher für den "Evakuierungsmarsch", nannte im Dachau-Prozeß eine Zahl von 10 000 Häftlingen, die hier lagerten.[41] Der  Bolzwanger  Bauer  Moritz  Sappl  sprach  von 9 000 Häftlingen.[42]

Die Wehrmacht übernimmt das Kommando

Verschiedenen Berichten zufolge wurden die Häftlinge in Bolzwang zumindest kurzzeitig von der Wehrmacht übernommen und unter ihren Schutz gestellt. Von einzelnen Häftlingen wird dies mit der "Freiheitsaktion Bayern" in Verbindung gebracht. Der ehemalige Häftling Leopold Malina erinnert sich:

"Auf einmal tauchten eine Menge von Parolen auf, die Bayerische Regierung hätte kapituliert; wir dürfen nicht mehr weitermarschieren, da uns die Wehrmacht übernehmen wird, und wir von jetzt ab nicht mehr unter dem Schutz der SS, sondern unter dem Schutze der Wehrmacht ständen."[43]

Demnach wurde der Weitermarsch der Häftlinge auf Anweisung wahrscheinlich eines Wehrmachtsangehörigen mit höherer Funktion in Bolzwang gestoppt. Ein anderer ehemaliger Häftling gibt dagegen an, der "Polizeimayor von Wolfratshausen" hätte sie festgehalten.[44] Weiter wird berichtet, dass ein Teil der SS-Wachmannschaft abgezogen wurde. Die SS war zu diesem Zeitpunkt in ihrem Handeln schon sehr verunsichert. "Die meisten von unserer Bewachung hatten selbst keine Ahnung, was eigentlich los sei. Einige der Sturmführer wussten nicht, was sie machen sollten", berichtet Leopold Manila.[45]

Die Verwirrung unter der SS machten sich einige Häftlinge zu Nutze und versuchten zu fliehen. Noch am selben Vormittag traf im Lager jedoch neue SS ein, die die Häftlinge weitertreiben sollte. Die neu eingetroffene SS ließ die Häftlinge unmissverständlich spüren, wer hier das Sagen hatte:

"Diese Posten hatten frisch gebackenes Brot gefaßt und machten sich einen Jux daraus, den ausgehungerten, vor Hunger fast irrsinnigen Häftlingen Brot hinzuhalten und sie dann durch Gewehrschüsse zurückzujagen."[46] 

Die Häftlinge, die sich vom Lager entfernen wollten, wurden mit Hunden und Gewehrschüssen in Richtung Lager zurückgetrieben.[47] Der ehemalige Häftling Paul Deumlich berichtet:

"Der Lagerführer Ruppert, der bei unserem Lager vorfuhr, erklärte uns, daß er laut Befehl verpflichtet sei, mit bewaffneter Gewalt den Weitertransport zu erzwingen und alle Zurückbleibenden zu erschießen."[48] 

Die Häftlinge sollen sich daraufhin geweigert haben, weiterzumarschieren und entschlossen gewesen sein, "den Weitermarsch, wenn es sein mußte, mit Gewalt zu verhindern".[49] Weiter wird berichtet, dass Ruppert daraufhin "seine SS und die Sonderkommandos der Wehrmacht im Halbkreis das Lager umstellen" ließ.[50] Dann erschien plötzlich "ein Auto mit einem Wehrmachtsoffizier, der laut erklärte, dass die Wehrmacht den Befehl über das gesamte Lager übernimmt."[51] Hierauf floh Ruppert mit einem Rot-Kreuz-Auto.[52] Ein Feldwebel der im Raum Wolfratshausen stationierten Landesschützen soll die Hilfe und den Schutz der Wehrmacht angefordert haben, "weil es auf den Lagerplätzen bei Bolzwang und Degerndorf seitens der SS zu Schlägereien und Erschießungen gekommen war."[53] Der ehemalige SS-Sturmbannführer Fritz Degelow behauptete dagegen im Dachau-Prozeß, den Weitermarsch der Häftlinge in Bolzwang auf seine eigene Verantwortung gestoppt zu haben:

"In dem Lager bei Wolfratshausen habe ich auf eigene Verantwortung den Weitermarsch einstellen lassen, weil das Wetter sich stark verschlechtert hatte - Regen, Schneetreiben und Kälte - und der körperliche Zustand der Häftlinge so war, daß bei einem sofortigen Weitermarsch 10 000 liegen geblieben wären."[54]

Obwohl das Lager den Zeugenberichten zufolge nun der Wehrmacht unterstand, wurde es dennoch in den folgenden Tagen von SS-Leuten bewacht. Die SS hätte zwar abgezogen werden sollen, dies war aber nicht möglich, weil "nicht genug Posten der Wehrmacht" zur Verfügung standen.[55] Auch das Verhalten der SS-Angehörigen gegenüber den Häftlingen veränderte sich nicht zum Positiven.

Gegen Mittag wurde an die Häftlinge Proviant ausgegeben. "Je 6 Mann erhielten 1 Wecken Brot und 1 Dose Konserven."[56] Ein anderer ehemaliger Häftling spricht von "eine(r) Dose Käse und 1 Ziegel Brot" für 10 Mann.[57] Der Proviant soll aus einem Tage zuvor von der Dachauer Lagerleitung bei Königsdorf eingerichteten Lebensmitteldepot gebracht worden sein. Es war bald erschöpft.[58]

Eine nächtliche Schießerei

In der Nacht zum 29. April machte die SS mehrfach Gebrauch von der Schusswaffe. Ehemalige Häftlinge sprechen von einer wilden Schießerei, die über mehrere Stunden anhielt und immer wieder aufflackerte. Wie es dazu gekommen ist und welchen Hintergrund diese hatte, darüber gibt es verschiedene Berichte. Der ehemalige Häftling Heinrich Pakullis nimmt an, dass sich die SS bedroht fühlte.[59] Hermann Riemer schreibt in diesem Zusammenhang, dass die "Posten hochgradig nervös" waren und wahrscheinlich "einen Massenausbruch" befürchteten.[60] Nach dem Bericht des ehemaligen Häftlings Rupert Schmidt war ein Raubüberfall der russischen auf die deutschen Häftlinge Auslöser der Schießerei:

"Um Mitternacht machten die Russen einen großen Raubüberfall auf die Deutschen und stahlen ihnen sämtliches Gepäck. Es wurde fortwährend geschossen. Ein Posten, der einschritt, wurde gestochen, aber der Stecher wurde sofort umgelegt mit mehreren anderen. Dann war wieder Ruhe. Das war unterhalb der Straße und wir lagerten oberhalb der Straße."[61]

Franz Scherz berichtet dagegen von ausgehungerten Häftlingen, die versucht hätten, das Lebensmittellager zu überfallen:

"Auf einer Seite des Waldes befand sich ein kleines Lager mit Brot und anderen Lebensmitteln. Anscheinend wollten etliche der völlig Ausgehungerten dort Brot holen. Und so gab es plötzlich eine wilde Schießerei: 'Alarm! Alarm! Die Russen überfallen das Magazin!' ... Und dazwischen peitschten die Schüsse durch die Nacht, auf unser Lager. Es war schauerlich! Es hörte sich an, als ob von allen Seiten geschossen würde."[62]

Der Widerstandskämpfer Paul Deumlich spricht ebenfalls von einem Überfall, allerdings auf die Wachmannschaft:

"Als wir trotzdem die Nacht vor dem Abmarsch den geplanten Überfall auf die Bewachungsmannschaften durchführen wollten, eröffneten diese bei eintretender Dunkelheit ein Gewehr- und Maschinenpistolenfeuer auf unser Lager, welches bis zum Morgengrauen anhielt und viele Todesopfer kostete."[63]

Es ist klar, dass die ehemaligen Häftlinge alle von dem selben Zwischenfall berichten, allerdings aus verschiedenen Blickrichtungen. Der genaue Hintergrund für die Schießerei wird jedoch heute nicht mehr festzustellen sein.

Noch in der Nacht durchkämmten SS-Leute den Wald und trieben die russischen Häftlinge zusammen. Franz Scherz berichtet:

"Aber auf einmal neuerlicher Krawall, diesmals herinnen im Wald. Das schien erst recht böse zu werden. Als der Lärm sich näherte, sahen wir, daß die SS den ganzen Wald durchkämmte, jeden einzelnen mit der Taschenlampe ins Gesicht leuchtete und fragte: 'Was bist Du? Deutscher? Russe?' War er Russe, mußte er aufstehen und sich in den unteren Teil des Lagers begeben, der unterhalb der Straße lag. Es gab für uns keinen Zweifel, daß man sie erschießen würde."[64]

Am Morgen des 29. April 1945 fanden die Häftlinge die Opfer der nächtlichen Schießerei. Scherz schreibt:

"Am nächsten Morgen sah man auf der Wiese vor unserem Lager die Leichen erschossener Russen liegen. Andere Russen, die in der Nacht isoliert worden waren, hatte man in einem nahegelegenen Steinbruch[65] erschossen. Auch diese Toten lagen noch herum. Eine grauenvolle Nacht, die nicht vergessen werden kann."[66]

Hermann Riemer berichtet, dass in dieser Nacht auch Juden zu den Opfern gehörten. So sei "ein Jude erstochen" und "mehrere erschossen worden".[67] Die Leichen wurden, so der ehemalige Häftling Rupert Schmidt, auf einen Haufen zusammengeworfen, und "das Instrument der Totenbeschau waren die SS-Stiefel."[68]

Ein Indiz dafür, dass es zu gezielten Hinrichtungen von Häftlingen gekommen ist, sind Schußwunden, die im Genick von toten Häftlingen festgestellt worden sind. So berichtete der Bauer Moritz Sappl vor dem Dachau-Prozeß, derartige Einschußlöcher gesehen zu haben.[69] Sappl, der die Häftlingsleichen mit einem Heuwagen abholen musste, erinnert sich:

"Wenn man da in das Lager hineingefahren ist, war das, als würde man in die Hölle hineinfahren. ... Da waren zwei Herren gewesen, der eine ein ausgesprochener Nazi, der andere ein Kommunist, die sollten mit einem Zweiräderkarren die Leichen nunterfahren. Aber die sind nimmer zurechtkommen. Es waren im ganzen 68 Leichen in unserer Flur. Ich hab da an einem Tag einmal 22 Leichen von der Kiesgrube heruntergefahren. Mit den zwei Rossen und dem Heuwagen. Auf den Heuwagen haben wir sie raufgeschmissen wie die verreckten Kälber; die sind ja vier, fünf Tag in der Kiesgruben dringlegen. Das war nicht angenehm die Leichen aufzuladen."[70]

Von den in Achmühle einst begrabenen 39 KZ-Häftlingen sind die Namen von 19 bekannt:[71]

 

Häftlings-Nr.

Name

Vorname

Geburtsdatum

Geburtsort

1912

Horstorf

Karl

07.04.1903

Stettin

4498

 Livski

Watzlaw

20.08.1903

Okumice

11884

Kabat

Stanislaw

08.02.1884

Borneie

13356

Jauda

Franz

29.04.1907

Wien

38521

Hawasa

Semen

12.12.1909

Selo Rekowa

49778

Michelson

Sachar

20.10.1924

Berebonja

50142

Le Quillon

Roger

12.07.1921

Angera

 52305

Bandurenko

Dymetr

26.10.1921

Tschernobyl

71639

Günzberger

Samuel

12.02.1918

Fürsterobas

84300

Doberezny

Gregor

1902

Martinowska

94457

Console

Pompejo

23.08.1925

Foggie

126455

Brzica

Karl

03.06.1894

Siebenhirten

133389

Fleckenstein

Henrich

30.10.1903

Dielesheim

140906

Kapydowski

Dymitr

24.10.1911

Scholalschewka

141454

Faronc

Franesko

 15.09.1911

Bari

144742

Filenow

Lila

1908

Nowo Dalaisk

146021

Roschitzka

Ferdinand

10.01.1894

Landl

147410

Bulankin

Aleks

30.09.1900

Smolensk

147610

Heidenreich

Stanislaw

23.04.1903

Wassow

Nach einem Bericht des jüdischen "Historischen Kommitee in Föhrenwald" lauten die Namen von sechs weiteren Häftlingen, die in Achmühle begraben waren, wie folgt:[72]

Baksztanski

Eliezer

aus Szawl

Izraelsztam

Ezra

aus Szawl

? 

Aharon

aus Szawl

Kameraz

?

aus Szawl

Lichtensztajn

?

aus Memel

Zakheim

Izidor

aus Memel    

Unter den Opfern am Lagerplatz Bolzwang befanden sich laut Moritz Sappl auch zwei deutsche Häftlinge, die separat, also nicht mit den anderen Häftlingen in einem Massengrab begraben wurden.[73]

Die Russen wurden, wie schon oben erwähnt, in der Nacht von den anderen Häftlingen getrennt. "Ihnen wurde das größere Waldstück rechts der Straße mit der Wiese zugeschrieben."[74] Den Deutschen, Österreichern und Juden wurde der "ins Tal abfallende kleinere Teil"[75] des Lagers, westlich der Straße, zugeteilt. Auf der trennenden Straße patrouillierten SS-Posten und ein Ordnungsdienst, bestehend aus deutschen und russischen Häftlingen, "die dafür zu sorgen hatten, daß niemand die trennende Straße überschritt, um allen Zwischenfällen vorzubeugen."[76]

Das Verhältnis der Häftlinge untereinander war teilweise sehr gespannt. Ursache hierfür war nicht nur, dass einzelne Häftlinge ihren Kameraden Lebensmittel oder Kleidung stahlen - Haben oder Nichthaben konnte schließlich über das Weiterleben entscheiden. Ein entscheidender Grund lag auch darin, dass, so wie es der ehemalige deutsche Häftling Hermann Riemer beschreibt, die "russischen Kameraden die Bitterkeit ihrer Gefühle, die sie gegen manchen deutschen Capo hegten, der sie früher geschlagen und mißhandelt hatte, ohne weitere Kritik einfach auf alle Deutschen übertrugen."[77]

Auch der gesundheitliche Zustand der Häftlinge verschlechterte sich von Tag zu Tag. Werner Groß "wurde mit vielen anderen", wie er schreibt, "durch Nässe und Kälte, sowie durch Trinken von nicht einwandfreiem Wasser krank". "Mit entsetzen" stellte er fest, "wie sich in der kurzen Zeit die vertrauten Gesichter" seiner "Kameraden in hohläugige, abgezehrte, bleiche Masken" verwandelten.[78]

Gerüchte und eine Versammlung

Am Vormittag herrschte dann große Verwirrung. Gerüchte verunsicherten die Häftlinge. Es hieß, die "Reichsdeutschen" würden "angeblich zurück nach München transportiert werden".[79] "Einige Male hieß es antreten, aber alles ohne Sinn, niemand wußte warum."[80] Dann gab es eine Art "Versammlung". Franz Scherz:

"Ein gewisser "Hax", ein ehem. Capo aus Dachau, der am Vormittag von irgendwem als Delegierter in die nächste Stadt gesandt worden war, gab von einem Lastwagen herab einen Bericht. Unsere Weiterreise sei nicht mehr möglich, da wir abgeschnitten seien. Hinter uns in Starnberg seien bereits die Amerikaner und vor uns in Garmisch-Partenkirchen ebenfalls. Wir sollten uns gedulden, er werde trachten, Verpflegung und Unterkünfte für uns zu erreichen. Das löste natürlich großen Jubel aus, und so manchem standen vor Freude die Tränen in den Augen."[81]

Einer anderen Quelle zufolge soll es sich bei diesem Mann, der von dem Lastwagen gesprochen hatte, um einen Hauptmann der Wehrmacht gehandelt haben. So berichtet Hermann Riemer:

"Gegen Mittag erhob sich plötzlich ein großes Geschrei, und alles, Deutsche und Russen, lief auf der Straße zusammen, wo von einem Lastauto ein Hauptmann der Wehrmacht eine Ansprache hielt. Ich kam etwas zu spät dorthin und vernahm nur den Schluß der Rede. Alle mangelhaft bekleideten sollten sofort neu eingekleidet werden, Anzüge und Schuhwerk wurde herantransportiert. Und im übrigen würden die KZ-Häftlinge von nun an unter den Schutz der Wehrmacht gestellt und sollten in einem Lager bei Königsdorf untergebracht werden, wo alles schon zur Aufnahme bereit sei und wo wir das Ende des Krieges abwarten sollten. Ein ungeheurer Jubel brandete auf, und nun, wo das Leben gesichert schien, waren plötzlich Deutsche und Russen wieder ein Herz und eine Seele. ... Tatsächlich wurde wenig später ein Lastwagen herangefahren und feldgraues Drillichzeug an alle verteilt, die in Lumpen herumliefen."[82]

Leopold Manila berichtet ebenfalls, dass von der Wehrmacht "für 4 500 Leute einige Hemden, Hosen und alte Schuhe geschickt" wurden "und für die Kranken je 1/8 l Milch".[83] Der Bauer Moritz Sappl berichtet, dass er mit einem Pferdewagen auf Befehl eines Majors jeden Tag 500 oder 600 Liter Milch und Brot zu den Häftlingen brachte:[84]

"Menage hab ich gebracht, abgekochte Milch, Brot, Kartoffeln, Fleisch. Die sind hergestürmt, so hungrig waren die. Die Gruppenführer dazwischen, das waren ja so grobe Hund. Die haben mit den Prügeln reinghaut, als ich da kam und die KZler von mir was runternahmen."[85]

Auch in der Nacht zum 30. April sollen, wie schon in den vorangegangenen Nächten, Häftlinge erschossen worden sein. Ein Teil kranker Häftlinge wurde in eine "Hütte" getragen, "wo man sie auf dem blanken feuchten Boden ihrem Schicksal überließ."[86]

Am Vormittag erschien dann erneut der Mann, der schon am Tag zuvor zu den Häftlingen geredet hatte, und dessen Name "Hax" gewesen sein soll. Er erklärte, dass die Wehrmacht jetzt endlich die Häftlinge übernehmen würde. Sie sollten nur noch bis Königsdorf marschieren, wo sich ein HJ-Lager befand, und dort könnten sie dann bis zur Befreiung bleiben.[87]

Gegen Mittag erschien dann auf einmal Ruppert, der zweite Lagerführer von Dachau. Er teilte den Häftlingen mit, dass "alles in Ordnung sei" und noch am selben Tag weitermarschiert werden solle. Auch er nannte als Ziel das HJ-Lager bei Königsdorf. Dort sollten die Häftlinge bis auf weiteres untergebracht werden.[88] "Die meisten glaubten es und hatten große Freude."[89]

Weitermarsch nach Königsdorf

Am frühen Nachmittag mussten die Häftlinge zum Weitermarsch antreten.[90] Bis alle Häftlinge, mit Ausnahme von etwa 300 Kranken, die zurückblieben, den Lagerplatz verlassen hatten, vergingen allerdings mehrere Stunden. Von Bad Tölz trafen währenddessen neue Wachmannschaften ein, und die von der Wehrmacht abgelöste SS zog ab.[91] Hermann Riemer berichtet in diesem Zusammenhang, dass "die gesamte ausländische Waffen-SS" entwaffnet worden sein soll, "weil sie angeblich mit den Russen paktiert hätte".[92] An ihre Stelle soll deutsche Polizei getreten sein.[93] Hermann Riemer:

"Und diese befleißigte sich uns gegenüber einer Tonart, die jener aus den Jahren 1940 oder 1941 recht verwandt war. Von nun an fielen die Genickschüsse in immer schnellere Reihenfolge und die Kolbenhiebe hagelten nur so auf uns herab."[94]

Franz Scherz berichtet über den Abmarsch:

"Wir mußten uns in Reihen von fünf und fünf aufstellen, und wer diese Einteilung überwachte, war kein Geringerer als Rapportführer Ruppert! Er achtete darauf, daß links und rechts von uns die Posten und Hundeführer genau verteilt waren. Auf je 100 Häftlinge kamen 6 Mann Bewachung."[95]

Die jüdischen Häftlinge bildeten die Spitze, gefolgt von den deutschen, österreichischen und russischen Häftlingen.[96] Sie mussten zunächst nach Eurasburg und von dort weiter in Richtung Beuerberg marschieren. Leopold Manila zufolge soll dabei "ein Oberscharführer aus Krakau" den richtigen Weg verfehlt haben.[97] Da die Amerikaner schon zu weit in Richtung Beuerberg vorgedrungen waren, mussten die Häftlinge somit wieder umkehren. Hermann Riemer:

"Wir marschierten eine Straße zwischen der Würm (gemeint ist die Loisach; A.W.) und der dort laufenden Bahnlinie entlang. Es gab eine Stockung. Die Führer der Marschblocks radelten nach vorn und als sie zurückkamen, hieß es: Alles kehrt! Die Straße ist gesperrt, der Amerikaner ist bereits durchgebrochen! Durch dieses Manöver ging natürlich einige Zeit verloren, und da zum Überfluß noch die fünf Jabos über uns dahinbrausten und die Geschichte inspizierten, bemächtigte sich unserer Wachmannschaft eine gewaltige Erregung."[98]

Bei Eurasburg wurde dann die Loisach und der Loisachkanal überquert und Richtung Herrnhausen weitermarschiert. Hermann Riemer berichtet:

"Wir bogen nach rechts ab und überquerten den Fluß auf einer Brücke, die über und über mit Sprengstoffkisten beladen war. Die Zündkabel waren fertig gelegt. Man trieb uns gewaltig an. Da aber am jenseitigen Ufer der Weg steil bergan führte und wir die Gepäckkarren nur mit Mühe die schmale, schlüpfrige Schlucht hochziehen konnten, geriet der Zug wiederum ins Stocken."[99]

Leopold Manila berichtet, dass während dieser Stockung ein erschöpfter Häftling von zwei SS-Männern brutal zugerichtet wurde:

"Plötzlich gab es eine Stockung. Dies benutzte dieser brutale SS-Bandit aus Krakau, um einen dieser Übermüdeten und Erschöpften beim Kragen zu packen und wollte ihn mit Faustschlägen und Fußtritten auf die Beine bringen, wobei ein anderer SS-Mann eine Weile zusah und dann dem Opfer einige Fußtritte versetzte, wobei er bemerkte, man sollte diese Leute, alle so wie sie sind, über den Haufen knallen. Aber der Mann war nicht mehr auf die Beine zu bringen, so trat er mit dem Stiefelabsatz in das Gesicht und auf den Kopf, so das das Blut floß und das Gesicht halb zertreten war."[100]

Obwohl noch nicht alle Häftlinge auf der anderen Uferseite waren, sprengte die SS die Brücken in die Luft. Dadurch wurde der Häftlingszug  auseinandergerissen.  Die etwa 3 000 Häftlinge, vor allem Russen, die auf der anderen Seite des Ufers zurückblieben, wurden dann schließlich in Richtung Beuerberg in Marsch gesetzt, wo sie noch am selben Tag von amerikanischen Truppen befreit wurden. Etwa 240 Häftlinge des Kommandos "Präzifix", die am Ende der Dachauer Häftlingskolonne marschierten, wurden dabei ebenfalls von den übrigen Häftlingen getrennt. Sie marschierten anschließend mit ihrer SS-Bewachung zurück zu einer Scheune, die südlich von Wolfratshausen auf einer Wiese gelegen war und in der sie mehrere Nächte zuvor gelagert hatten. Am 1. Mai 1945 entwaffneten die Häftlinge ihre SS-Begleiter und übergaben sie später amerikanischen Soldaten.[101] Der andere Teil der Häftlinge marschierte nach Herrnhausen wo sich der Zug erneut teilte: Eine Gruppe ging zunächst etwa zwei Kilometer in Richtung Norden, dann über Schwaigwall nach Geretsried und von dort weiter nach Königsdorf.[102] Die andere Gruppe ging von Herrnhausen direkt nach Hofstätt und von dort weiter nach Königsdorf.

Bei Wolfsöd in eine Schlucht getrieben

Hinter Königsdorf wurden die Häftlinge am späten Abend des 30. April 1945 bei Wolfsöd in eine Waldschlucht getrieben. Der ehemalige Häftling Rupert Schmidt schildert die Situation:

"Auf der Straße wimmelte es von Soldaten und Fahrzeugen, die bei Buchen mit uns in den Wald abzweigten. Da wurden wir in eine Schlucht geführt, die Wolfsöd genannt (wurde). Es war stockfinster und sehr steil, so daß wir uns halten mußten, um nicht zu fallen oder einander zu verlieren. Von der Ferne hörten wir die Schreie verzweifelter Frauen."[103]

Es handelte sich hierbei um Jüdinnen, die bereits zuvor in die Schlucht getrieben wurden und auch von Dachau aus in Marsch gesetzt worden sein sollen. Paul Deumlich berichtet, dass sich unter ihnen auch Kinder befanden.[104] Die Häftlinge befürchteten das Schlimmste. Hermann Riemer schreibt:

"Wir waren in jedem Augenblick gefaßt darauf, daß man jetzt mit Handgranaten ein fürchterliches Blutbad unter uns anrichten würde, und hielten uns bereit, durch einen Sprung in das nächtliche schwarze Dickicht dem Massaker zu entrinnen."[105]

Er berichtet weiter:

"Es war unmöglich, in der Finsternis und im Gewimmel der vieltausend tappenden Figuren einen brauchbaren Lagerplatz zu finden. Die Schluchtsohle war schmal und fast völlig von einem Bach eingenommen und auch sonst gab es kaum einen trockenen Fleck, denn der nasse Schnee war auch durch die Nadelschirme der Fichten gedrungen. Wir legten uns also hin, wo wir einmal standen.."[106]

Die Häftlinge machten Feuer an, um sich daran ein wenig zu wärmen. Doch nach mehrmaligen Rufen "Feuer aus!" der Wachmannschaft, denen die Häftlinge nicht gleich nachgekommen waren, schoss diese auf die Feuerstellen. Heinrich Pakullis berichtet, dass dabei "ein Wiener Kommunist und einige jüdische Häftlinge" getötet wurden.[107] Immer wieder flackerte die Schießerei in der Nacht auf. In der Früh waren die Toten der nächtlichen Schießerei zu finden, aber es gab keine Gelegenheit, sie zu beerdigen.[108] Dann ging es, wie der ehemaliger Häftling Leopold Manila schreibt, "um 5 Uhr Früh ... ohne Frühstück oder etwas warmes im Magen" weiter.[109] Hermann Riemer:

"Noch im Morgengrauen wurden wir wieder aufgejagt, und da das Sammeln den Wachmannschaften nicht schnell genug ging, begann aufs Neue eine tolle Schießerei, an der die Polizeimannschaften besonders hervorragend beteiligt waren. Unsere Glieder waren vor Kälte und Nässe erstarrt, wir vermochten kaum, den Berghang zu erklimmen. Zahllose blieben im Talkessel tot oder verwundet liegen."[110]

Die Häftlinge mußten auf einem Feldweg zurück zur Straße gehen.[111]

Wie aus einigen Berichten hervorgeht, hätten die Häftlinge in der Schlucht, wie befürchtet, tatsächlich getötet werden sollen. Ein Hauptmann oder Offizier der Wehrmacht mit den Namen Longin soll dies verhindert haben. So berichtet der ehemalige Häftling Rupert Schmidt:

"Am Morgen mußten wir feststellen, daß wir liquidiert werden sollten. Auf einmal kam der Befehl zum Weitermarschieren. Später erfuhren wir, daß uns ein Hauptmann vom sicheren Tod gerettet hatte. Denn von dieser Schlucht, von uns die Teufelsschlucht genannt, wäre keiner wieder herausgekommen, wenn es der SS nachgegangen wäre. Die Schlucht hatte nur einen Eingang, und da waren die SS mit ihren Gewehren. Die Wände waren so steil, daß keiner von uns Kraftlosen hinaufgekommen wäre. Es hätte diesmal kein Entrinnen gegeben. Doch der Hauptmann hatte das gesehen und sagte der SS, wenn ihr in die Häftling schießt, gehe ich mit meinen Maschinengewehren gegen euch in Stellung. So mußte die SS mit uns wieder weiter marschieren. Der Name des Hauptmannes ist Longin. Ich erfuhr ihn in der Heimat von einem, der dabei war."[112]

Leopold Manila erfuhr wiederum "zwei Tage später" von einem "älteren SS-Mann", dass es nicht zur Liquidierung der Häftlinge gekommen ist, sei einem "neuen Offizier" zu verdanken gewesen, "der damit beauftragt worden war", dies aber nicht durchführte.[113]

Weitermarsch über Bad Tölz bis Waakirchen

Von Wolfsöd marschierten die Häftlinge weiter nach Bad Tölz. Hermann Riemer schreibt darüber:

"Mühselig kroch die graue endlose Schlange der Häftlinge über das bergige Land. Immer wieder fielen Schüsse. Endlich erreichten wir Bad Tölz. Unsere Wachmannschaften waren jetzt so nervös, daß sie nicht einmal unter den Augen der Bürger vor dem kalten Mord zurückschreckten. Unsere Kameraden fielen völlig erschöpft auf das Pflaster, auf den Bürgersteig, auf die Treppenstufen vor den Häusern. Und die herzlosen Mörder, denen wir noch immer ausgeliefert waren, scheuten sich nicht, mitten in den Straßen der überaus belebten Stadt Genickschüsse anzubringen oder den armen zu Tode erschöpften Kameraden durch einen Kolbenhieb den Schädel zu zerschmettern."[114]

Leopold Manila berichtet von kurz hinter dem Ortsausgang von Bad Tölz erschossenen Häftlingen und über die Gefühle, die dieser Anblick bei ihm hervorrief:

"Zwischen dem Ortsausgang und der berüchtigten "SS-Junkerschule Bad Tölz", lange vor uns, mußte eine Kolonne vorbeimarschiert sein, lagen einige am Straßenrand, davon zwei Kameraden, die durch den Hinterkopf geschossen wurden, bei der Ausschußwunde war ihnen das Gehirn herausgequollen. Stumm, den ganzen Groll und Haß innerlich zusammengeballt, grüßten wir und zogen vorüber mit dem Schwur, dies alles anzuprangern und Sühne für alle Opfer zu fordern."[115]

Hinter Bad Tölz wurden die Häftlinge über Greiling und Reichersbeuern bis kurz vor Waakirchen geführt. "Mehrere Kilometer außerhalb von Bad Tölz, hieß es halten. Augenscheinlich ein militärischer Punkt, denn über die Straße war eine Panzersperre errichtet. Der Wald zu beiden Seiten der Straße wimmelte von Militär", berichtet Franz Scherz.[116] Die Häftlinge, nur noch etwa 2000 bis 4000 an der Zahl, mussten in den Wald gehen, wo in einer Kiesgrube gelagert wurde.[117] Dort machten sie Feuer und bauten sich wieder aus Ästen Unterstände, unter denen sie ein wenig Schutz vor Schnee und Kälte suchen konnten. Auch etwas Verpflegung bekamen sie. Der ehemalige Häftling Robert Gehrke notiert, dass die Marschpause der Wehrmacht zu verdanken war. Ein General soll in diesem Zusammenhang gegenüber einem SS-Angehörigen erklärt haben: "Wird noch ein Häftling erschossen, lasse ich Sie und die ganze Begleitmannschaft standrechtlich erschießen!"[118] Ähnliches berichtet auch Heinrich Pakullis:

"Die SS wird plötzlich von Wehrmacht abgelöst und tritt auf der Straße an. Der Wehrmachtshauptmann verkündet wörtlich: 'Der Krieg ist zu Ende. Bayern hat kapituliert. Die Wehrmacht übernimmt das Waldlager. Bis auf weiteres darf kein Häftling das Lager verlassen.'"[119]

Er berichtet weiter, dass ein Hauptmann mit der Pistole einige SS-Männer aus dem Lager jagte und anschließend ein Auto mit Wehrmachtsoffizieren durchs Lager fuhr. Die Häftlinge stürzten sich in ihrem Hunger auf das Auto und forderten Brot. Laut Pakullis war die Wehrmacht dem Ansturm jedoch nicht gewachsen. Die noch anwesende SS wurde daraufhin zur Hilfe gerufen, die schließlich das Lager erneut umstellte.[120]

Gegen Mitternacht setzte sich die SS-Wachmannschaft endgültig ab. Nur etwa 30 Posten, vor allem ältere SS-Männer und Wehrmachtsangehörige, blieben zurück.[121] Am nächsten Morgen, den 1. Mai 1945, marschierten die Häftlinge weiter nach Waakirchen, wo sie bis zu ihrer Befreiung in Scheunen untergebracht wurden.[122]

Bereits am späten Abend am Tag zuvor waren dort etwa 30 andere Häftlinge angekommen. Es handelte sich um Priester, die ihre Bewacher gebeten hatten, sie noch bis zur Kirche ins nächste Dorf zu führen. Dort wurden sie schließlich von Pfarrer Georg Hunklinger aufgenommen.[123]

Noch mindestens 24 Häftlinge verloren auf dieser letzten Marschetappe ihr Leben: 4 in Greiling, 5 in Reichersbeuern und 15 in Waakirchen.[124]

Die Befreiung

Noch am selben Tag, als die Häftlinge in Waakirchen ankamen, wurden sie von amerikanischen Soldaten befreit. Rupert Schmidt berichtet:

"Gegen drei Uhr nachmittags hörten wir einen großen Lärm auf der Straße. Dann wurden Rufe laut, die Amerikaner kommen. Jeder der noch gehen und stehen konnte, lief auf die Straße und winkte den Amerikanern zu, die uns Zigaretten und Zwieback herunterwarfen, um die wir uns dann rauften. Am anderen Tag kamen die Fußtruppen nach, von denen einige im Dorf blieben."[125]

Riemer schreibt darüber:

"Plötzlich, nachmittags gegen halb drei Uhr, erscholl ein vielstimmiger Jubelschrei, alles stürzte ins Freie, 'Sie kommen! Sie kommen!'. Da rollten sie aus dem Wald heraus, Panzer an Panzer, und unsere armen kranken Kameraden fielen sich in die Arme und weinten und schluchzten vor Freude. Und dann gab es ein Grüßen und Wiedergrüßen, die Amerikaner winkten, und wir winkten zurück und riefen ihnen unter Tränen zu: "Habt Dank, habt Dank!"[126]

Für etwa 2000 weitere Häftlinge kam die Befreiung erst am 2. Mai 1945 in Rottach-Egern und für etwa 360 am selben Tag in Dürnbach.[127] Es handelte sich hierbei wahrscheinlich um Häftlinge des Dachauer Außenkommandos München-Riem. So wird berichtet, dass in Reithrain bei Kreuth am Tegernsee während des Marsches ein Häftling aus diesem Kommando von der SS erschossen wurde, weil er in einem Heuschober Nahrungsmittel fand und diese verzehrte.[128]

Für hunderte Häftlinge endete der Marsch in Buchberg

Bereits am 29. April 1945 erreichten mehrere hundert überwiegend jüdische Häftlinge der Dachauer Außenlagergruppe Kaufering, die zunächst nach Allach "evakuiert" worden waren und dann von dort in Richtung Süden  marschieren mussten, das sieben Kilometer südlich von Wolfratshausen gelegene Lager Buchberg. Die Zahl der Häftlinge dieser Marschgruppe - es handelte sich sowohl um Männer wie auch um Frauen - wird unterschiedlich auf zwischen 300 und 400 beziehungsweise auf 1000 geschätzt.[129] Aus welchem Grund diese Häftlinge nach Buchberg geführt wurden und nicht wie die Tausende anderen Häftlinge über Beuerberg und dann weiter in Richtung Königsdorf und Bad Tölz, lässt sich heute nicht mehr vollständig klären. Mit großer Wahrscheinlichkeit haben dies die Häftlinge im wesentlichen einem General der Wehrmacht zu verdanken.

In verschiedenen Berichten von ehemaligen KZ-Häftlingen, die Ende April 1945 nach Buchberg gelangt sind, wird ein Gespräch zwischen einem General der Wehrmacht und dem für die Bewachung der Häftlingskollonne verantwortlichen SS-Angehörigen erwähnt, das in oder bei Wolfratshausen geführt worden sein soll.[130] In diesem Gespräch soll der Wehrmachtsgeneral dem SS-Angehörigen befohlen haben, die Häftlinge ins Lager Buchberg zu führen und dort auf das Eintreffen der Amerikaner zu warten. Der ehemalige Häftling Abraham Shul schreibt:

"In der Nähe von Wolfratshausen wurden wir bei einem Dorf von einem hohen Offizier, wahrscheinlich ein General der Wehrmacht, angehalten. Der hat unserem Lagerführer, einem Sturmbannführer, den Befehl gegeben, daß er uns bis zur nächsten Ortschaft Buchberg führt - das war der 29. April - und dort mit uns warten soll, bis die amerikanischen Soldaten kommen."[131]

Noch ausführlicher berichtet der ehemalige Häftling Dr. Franz Hahn über dieses Gespräch:

"Wir waren auf dem Marsch Richtung Alpen. Am 28. April (ich glaube, daß das Datum stimmt) kam ein Adjutant des kommandierenden Generals zu unserem Hauptsturmführer und gebot ihm, von der Straße mit uns zu verschwinden. Der kümmerte sich aber nicht darum. Am nächsten Tag erschien in einem Mercedes anscheinend der General persönlich und stellte den Hauptsturmführer vor uns versammelter Mannschaft in groben Ton (zur Rede): Ich habe Ihnen gestern durch meinen Adjutanten sagen lassen, Sie sollen mit ihren Leuten von der Straße verschwinden. Trotzdem schleppen Sie 'die armen Menschen' (!!!) weiter in meinem Aufmarschgebiet herum!! Auf den Einwand des Hauptsturmführers, daß er seine Weisungen von der SS habe, erklärte der General schreiend, die SS gehe ihn nichts an, hier sei Kriegsgebiet und er befehle die Räumung der Straße von unserem Transport. Zu uns gewendet: Hier in der Nähe ist ein Russenlager. Der Hauptsturmführer habe hiermit den Befehl, uns dorthin zu bringen und dem amerikanischen Roten Kreuz zu übergeben (Das amerikanische Rote Kreuz haben wir nie gesehen!!) So rückten wir also in das Russenlager ein, und die SS begann sich zu verdrücken."[132]

Ob es dem General einfach nur darum ging, auf der Straße für die Truppenbewegungen der Wehrmacht Platz zu machen, oder ob er den Weitermarsch der Häftlinge ganz bewusst verhindern wollte, kann heute nicht mehr geklärt werden. Es besteht jedenfalls die Möglichkeit, dass das Verhalten des Generals auch auf die Aktivitäten der "Freiheitsaktion Bayern" zurückzuführen ist. Ein anderer ehemaliger Häftling behauptet wiederum, es habe sich später herausgestellt, dass es sich bei dem General um einen verkleideten Russen in deutscher Generalkleidung gehandelt habe:

"Plotzling is ongekomen a daitscher general. (Ess hot sich aroissgeschtelt, ess is gewen a farschtelte russ in daitsche general klaider), welcher hot gemolden dem lager firer, woss hot uns gefirt, as er sol uns firn loit sain befel in Buchberg, un er sol uns dortn haltn bis di amerikaner komen."[133]

Anderen Aussagen zufolge waren es einige Häftlinge selbst, die den verantwortlichen SS-Angehörigen überzeugten, in Buchberg zu bleiben und hier auf die Amerikaner zu warten. So gibt Ferencné Lengyel am 29.08.1945 zu Protokoll:

"Am 29. April kamen wir in Buchberg an. Wir sind total geschwächt und entkräftet hier angekommen. Von hieraus wollten sie uns weitertreiben, aber die ganzen Frauen haben sich geweigert, sie sagten, erschießt uns lieber, aber wir gehen nicht weiter. Wir haben erreicht, daß sie uns vorübergehend für zwei Tage hier gelassen haben."[134]

Erwähnt wird in diesem Zusammenhang ein gewisser Häftling Boris Tobias Iserlis[135] aus dem Konzentrationslager Kaufering XI. Er soll auf dem Marsch die weiblichen Häftlinge an die Spitze der Kollonne platziert haben, um so das Marschtempo zu verlangsamen und später in Buchberg auf sehr energische Art und Weise den verantwortlichen SS-Angehörigen überzeugt haben, nicht weiterzumarschieren und in Buchberg auf die Amerikaner zu warten.[136] Großen Einfluss auf den leitenden SS-Angehörigen hatte auch der tschechische Lagerarzt aus dem Lager Kaufering XI, Dr. Nikolaus Fay. Er erzwang auf dem Marsch immer wieder Rast.[137] Ob es sich hierbei um den gleichen Arzt handelte, der später im Lager Buchberg Häftlingen den Rat gegeben haben soll, sich krank zu melden, um den Weitermarsch hinauszuzögern, konnte nicht geklärt werden.[138]

Als die Häftlinge am 29. April gegen Abend Buchberg erreichten, fanden sie ein mit Stacheldraht umzäuntes Lager vor. In ihm waren russische und ukrainische Zwangsarbeiterinnen und Zwangsarbeiter und auch Kriegsgefangene untergebracht, die in der benachbarten Fabrik Wolfratshausen der GmbH zur Verwertung chemischer Erzeugnisse, einem großen Sprengstoff-Werk, arbeiten mußten. Der ehemalige jüdische Häftling Levi Shalit hielt seine damaligen Eindrücke folgendermaßen fest:

"Auf der rechten Seite der Straße lag ein Lager, Buchberg, eines der hunderten von Zwangsarbeitslagen, die in all den Ecken Deutschlands verstreut waren. Auf der Vorderseite lag eine weite Fläche mit schönen Baracken in denen die Wachen, Aufseher und Lagerführer lebten. Ferner waren dort etwa hundert kleine Baracken, auf einer Fläche unmittelbar an einem Hang, umzäunt mit Stacheldraht. Die vorderen Baracken waren leer - ein Zeichen dafür, daß die Deutschen ausgezogen waren. Aber einige Wachen standen noch am Stacheldrahtzaun herum. Wir verblieben dort, vorne auf dem offenen Platz. Die Zwangsarbeiter auf der anderen Seite des Stacheldrahtzauns, russische Männer und Frauen, grüßten uns freudig und warfen uns Hände voll von Zigaretten, Kartoffeln und Brotstücke zu."[139]

Die Häftlinge verblieben außerhalb des umzäunten Russenlagers, und zumindest einige von ihnen wurden aufgefordert, in eine geräumige Baracke zu gehen.[140] Wahrscheinlich handelte es sich dabei um die große Wirtschaftsbaracke, die Kantine.[141] Hier legten sie sich auf den Tischen, Bänken und dem Boden zum Schlafen. Abraham Shul:

"Uns haben sie in eine große Halle hineingetrieben, wo wir auf Tischen, Bänken und manche auf dem Boden, ohne Essen zu bekommen, übernachteten. Die Lage war nicht so angenehm, weil wir sehr Angst gehabt haben, daß mit uns etwas passieren könnte. 'Vielleicht werden die uns in die Luft sprengen trotz dem Befehl des Generals?' Wir waren unruhig und machten uns verschiedene Gedanken."[142]

Als die Häftlinge am nächsten Tag aufwachten, waren die Wachen verschwunden. Sie hatten sich in der Nacht zum 30. April abgesetzt. Nur der SS-Angehörige, der den Transport leitete, blieb noch im Lager.[143] Er teilte den Häftlingen mit, dass sie in einigen Stunden von den Amerikanern übernommen würden und frei seien. Gleichzeitig warnte er die Häftlinge jedoch davor, das Lager zu verlassen und in den umliegenden Dörfern Lebensmittel zu holen. Zuwiderhandlungen würden mit Waffengewalt beantwortet.[144] Im Laufe des Vormittages gab es etwas zu Essen - Brot, Margarine und gekochte Kartoffeln.[145] Die russischen Zwangsarbeiter und -arbeiterinnen übernahmen die Führung des Lagers und hissten weiße und rote Fahnen.[146] Dr. Franz Hahn berichtet sogar, dass sie bewaffnet waren:

"Die Russen hatten ein paar Gewehre und Pistolen. Anscheinend von geflohenen Posten. Sie bewachten auch das Lager in der ersten Nacht, denn es war nicht sicher, ob die SS nicht doch versuchen würde, zurückzukommen."[147] 

Eingeholt von Massenmörder Moll

Voller Hoffnung warteten die Häftlinge auf die Amerikaner. Der Krieg schien zu Ende zu sein. Doch die Ruhe hielt nicht lange an. SS-Hauptscharführer Otto Moll war in Buchberg aufgetaucht. Er galt als grausamer, sadistischer Mörder, durch dessen Hand hunderte Menschen ihr Leben verloren. Unter den jüdischen Häftlingen war Moll als Henker und Kindermörder von Auschwitz bekannt. In Birkenau war er zeitweise Leiter der Krematorien und an der systematischen Vernichtung von Menschen maßgeblich beteiligt.[148] Mit der Nachricht, daß Moll da sei, verbreitete sich unter den Häftlingen Unruhe, und sie versuchten panikartig sich zu verstecken.

Bei Königsdorf hatte Moll einen Wachzug mit 40 Männern und 3 Unterführern zusammengestellt und war anschließend mit ihnen zum Lager Buchberg marschiert.[149] Dort suchte er den Lagerführer auf, forderte den Weitermarsch der jüdischen Häftlinge und verlangte deren Übergabe. Der ehemalige Häftling Leon Kligerman berichtet:

"Inderfri is gekomen der bewusster mamser fon Auschwitz mit namn Mol. Er hot gesucht dem lager firer. Un gefinen disem, gefregt, wer ess hot im gehaissn blaibn schtein in dem ort. Er hot befoln dem lager firer er sol im schoin ibergeben di jidn."[150]

In verschiedenen Berichten gibt es Hinweise darauf, dass Moll die jüdischen Häftlinge töten wollte.[151] So gaben beispielsweise die beiden ehemaligen jüdischen Häftlinge Erzsébet Keller und Károlné Adám am 22.07.1945 zu Protokoll, dass Moll die Häftlinge in Buchberg mit dem Befehl zum Weitermarsch und dass "alle zu vernichten sind", einholte.[152] Der Lagerführer hingegen verwies auf den Befehl des Wehrmachtoffiziers, die Häftlinge nach Buchberg zu führen und hier auf das Eintreffen der Amerikaner zu warten. Es kam zu einem Streitgespräch, in das sich "der Lagerälteste mit seinen Brüdern" und "auch Häftlinge, die mit dem Lagerführer Kontakt gehabt haben" eingemischt haben sollen.[153]

Die Verschleppung russischer Zwangsarbeiter

Nachdem Moll die Übergabe der jüdischen KZ-Häftlinge nicht erreichen konnte, verschleppte er zwischen 120 und 150 russische Zwangsarbeiter und -arbeiterinnen des Lagers Buchberg. Warum sich diese nicht gewehrt haben, sofern sie teilweise tatsächlich bewaffnet gewesen sind, ist unklar. Die Verschleppung der russischen Zwangsarbeiter und -arbeiterinnen und was mit ihnen weiter geschah, wird von einigen ehemaligen Häftlingen beschrieben:

Monek Szajnberg:

"Ich kenne Metzler Wilhelm von Lager II als Häftling. Ich sah ihn später 1945 am 28. oder 29. April in Buchberg. Er kam mit einigen anderen SS-Männern und mit Lagerführer Moll. Sie haben Gewehre getragen. Dann selektierten diese SS-Männer und Lagerführer Moll 120 Russen und erschossen sie."[154]

Levi Shalit:

"Moll der Kindermörder von Auschwitz, der Morde in Dachau ausführte, war angekommen. Er war von deutschen Kapos umringt, alle mit Gewehren auf den Schultern. Auch Willi, der deutsche Scharfrichter-Kapo aus unserem Lager, war unter ihnen. ... Moll und die Kapos betraten das Russenlager, ergriffen einige hundert, die sich entweder fangen ließen oder es nicht geschafft hatten, sich zu verstecken. Einige Tage später waren wir es, die all diese ermordeten Russen im Wald fanden."[155]

Josef Kohs nach der Aussage von Arie Orembuch:

"Der gefürchtete Hauptscharführer Moll aus Auschwitz war aufgetaucht. ... Er verlangte von unserem Transportführer Menschen. Dieser lehnte ab. Aber Moll wurde sehr ernergisch. Schließlich wurden ihm 150 Russen übergeben. Sie wurden in den nahen Wald geführt. Die bald folgende wilde Schießerei belehrte uns über das Schicksal dieser Häftlinge."[156] 

Leon Kligerman:

"Mol is gewen mit a grupe SS-lait. Jedener fon sei is gewen ongelodn mit revolvern un mit maschin gewer oif di pleizess. Si hobn opgeroimt di heftlinge a por schu far dem bafraiung. Asoi wi in Buchberg hobn sich gefunen russische heftlinge, hot der lager firer a sog getoin dem mamser Mol. Nem di russn, sei geheren nit zu mir. 120 russische heftlinge sainen zusamengenomen worn (sei sainen gewen bai 400 un file hobn sich bawisn bahalten) un awekgefirt geworn 2 km fon lager in wald, wo men hot sei geschossen (12 bai tog)."[157]

Auch Wilhelm Metzler[158], der in zwei Aussagen erwähnt wird, ein ehemaliger Kapo und zuletzt Mitglied des von Moll bei Königsdorf aufgestellten Wachzuges, bestätigte nach dem Krieg die Verschleppung von 120 bzw. 150 Menschen aus Buchberg. Er spricht allerdings mehrmals von Ariern, die in Buchberg übernommen worden sein sollen und nicht von Russen. In einem Gerichtsverfahren gegen Metzler im Jahre 1947, in dem ihm unter anderem vorgeworfen wurde, an der Tötung von 120 Russen bei Buchberg beteiligt gewesen zu sein, bestätigte er dann allerdings, daß er auf der Strecke "von Buchberg nach Bad Tölz" Wache von Russen war. Eine Beteiligung an der Erschießung der Russen verneinte er und beschuldigte statt dessen Moll, 26 Russen eigenhändig erschossen zu haben.[159] In einem Brief an die "Rote-Kreuzstelle in Landsberg" schildert Metzler den Vorfall so:

"Wir marschierten nach Buchberg, wo Häftlinge übernachtet hatten. Dort konnte Moll wählen und er übernahm 350 arische Häftlinge (richtig: 120 bzw. 150 Russen; Anmerkung d. Verfassers), denn die Juden bringe ich nicht lebend hin, hatte Moll dem anwesenden Sturmführer gesagt. Wir marschierten bis 2 Uhr nachts, wo ein anderer Wachzug die Häftlinge übernahm und wir bis 6 Uhr in einem Stall geschlafen haben. Gegen 7 Uhr marschierten wir dieselbe Straße, wo etwa vor einer Stunde die Häftlinge marschiert waren. ... Wir waren noch nicht lange auf der Straße marschiert und kamen aus einer Kurve in die gerade Straße, da hält mich mein Begleiter an. Ich schaue auf und sehe Moll etwa 100 m vor mir allein mitten auf der Straße, die Hände in die Hüften gestützt, vor ihm etwa 150 m der Wachzug marschierend. Da nimmt Moll seine M.P. in die Hand, geht nach links an die Straßenböschung und schießt. Nun sehe ich rechts und links, vereinzelt, auch 2, 3, 4 und 5 Häftlinge liegen, viele sorglich mit einer Decke zugedeckt, was ich beim späteren Vorbeigehen gesehen und den Eindruck hatte, daß nur die Begleitmannschaft des Transportes diese Mühe sich gemacht hat. Zu allen den an der Böschung Liegenden geht Moll und schießt auf jeden Kopf. Ich habe sechsundzwanzig gezählt."[160]

Otto Moll, der im Dachau-Prozeß zum Tode verurteilt wurde, gab nach dem Krieg zu, bei Kirchdorf (er meinte Königsdorf; Anm. d. Verf.) eine Gruppe von 150 ukrainischen "Zivilarbeitern" übernommen zu haben. Mit deren Ermordung habe er nach seinen Worten aber nichts zu tun gehabt.[161] Wo die erschossenen russischen Zwangsarbeiter begraben wurden, konnte bis heute nicht geklärt werden.

Wenige Stunden nach diesem Vorfall erreichte in den späten Nachmittagsstunden am 30. April 1945 ein amerikanischer Jeep mit zwei Soldaten das Lager Buchberg.[162] Der ehemalige Häftling Levi Shalit schreibt hierüber:

"Über die Felder kam langsam ein Jeep gefahren. 2 Soldaten mit Helmen, ein Schwarzer und ein Weißer, sprangen heraus. Ihre Gesichter leuchteten, mit ihren Händen begrüßten sie die Mengen, die sie gegenseitig auf den Schultern trugen. Hunderte von Händen lagen auf dem Auto, versuchten es hochzuheben, küßten die Reifen, umarmten die Beine der Soldaten, bedeckten sie mit Tränen. Die Soldaten schwankten über den Schultern und Händen hin und her, wollten heruntersteigen aber konnten nicht. Die Menge hielt sie mit ihren Rufen und Tanzen. Über die Wange des Schwarzen liefen Tränen hinunter bis auf seine Mundwinkel hinab und wurden von den dicken roten Lippen und Zähnen verschluckt. Irgendjemand nahm ein Gewehr von einem Soldaten und schoß. Ein Mann zuckte zusammen und fiel zu Boden. Hunderte von Füßen trampelten auf seinem Körper herum. Die russischen Arbeiter hatten einen Verräter erschossen."[163]

Wenige Kilometer nördlich des Lagers wurde bei Buchberg eine weitere Marschgruppe von etwa 100 bis 200 Häftlingen befreit, die an einem Waldrand neben einer Straße lagerten.[164] Die Häftlinge versuchten von nun an, bei den umliegenden Bauernhöfen und Ortschaften etwas zum Essen zu organisieren. Am 1. Mai erreichte der erste amerikanische Panzer Buchberg. Weitere Truppen erreichten Buchberg am 2. Mai.[165] Es wurde eine Militärküche aufgestellt und Essen ausgegeben.[166] Abraham S. erinnert sich:

"Wir haben Angst gehabt zu essen, weil das für uns zu fett war. Aber wir waren sehr vorsichtig und haben sehr langsam und wenig gegessen und jeden Tag etwas mehr."[167]

Während einige ehemalige Häftlinge Buchberg schon wenige Tage nach der Befreiung wieder verließen, blieb der größte Teil von ihnen bis zur Schließung des Lagers im Juli 1945 noch hier. In einer Auflistung der im Lager Buchberg in den ersten drei Monaten nach ihrer Befreiung untergebrachten Juden sind die Namen von 903 Personen genannt.[168] Ihre Herkunft spiegelt die Dimension der Judenverfolgung in Europa wieder. Die wenigen Überlebenden des Holocaust, die in Buchberg nach ihrer Befreiung untergebracht waren, stammten aus Polen, Ungarn, Rumänien, Litauen, Lettland, Italien, Jugoslawien, Griechenland, Österreich und Deutschland. Mit 13 Jahren war der ehemalige polnische Häftling Lelek Potaszynski der jüngste. Mit der Schließung des Lagers wurden die meisten ehemaligen Häftlinge ins benachbarte DP-Lager Föhrenwald verlegt.


[1]

KZGD: 26.448: Bericht des ehemaligen Häftlings Franz Scherz, S. 12.

[2]

KZGD: 1.008; Vgl. auch KZGD: 26.448: Bericht des ehemaligen Häftlings Franz Scherz, S. 12.

[3]

BayHStA: Dachau-Prozeß, Mikrofilm 20: Protokollierte Aussage des ehemaligen SS-Mannes Pröhl, Kurt vom 22. Oktober 1946.

[4]

Vgl. BayHStA: Dachau-Prozeß, Mikrofilm 20: Erklärung des ehemaligen SS-Mannes Maubach, Michael und KZGD: 25.096: Erklärung des ehemaligen SS-Mannes Lippert, Erich.

[5]

KZGD: 26.448: Bericht des ehemaligen Häftlings Franz Scherz, S. 2.

[6]

Haulot, Arthur, in: Distel, a.a.O., S. 190.

[7]

KZGD: 26.448: Bericht des ehemaligen Häftlings Franz Scherz, S. 3.

[8]

Haulot, Arthur, in: Distel, a.a.O.; S. 192.

[9]

KZGD: 26.448: Bericht des ehemaligen Häftlings Franz Scherz, S. 4

[10]

ebd., S. 5.

[11]

ebd., S. 11 f.

[12]

ebd., S. 6.

[13]

ebd., S. 6.

[14]

ebd., S. 6.

[15]

ebd., S. 8.

[16]

ebd., S. 9.

[17]

ebd., S. 11.

[18]

ebd., S. 11.

[19]  

ebd., S. 12.

[20]

Haulot, Arthur, in: Distel, a.a.O., S. 192.

[21]   

KZGD: 26.448: Bericht des ehemaligen Häftlings Franz Scherz, S. 12.

[22]

KZGD: 233: Bericht des ehemaligen Häftlings Pakullis, Heinrich.

[23]

KZGD: 26.448: Bericht des ehemaligen Häftlings Franz Scherz, S. 12.

[24] 

KZGD: 233: Bericht des ehemaligen Häftlings Pakullis, Heinrich.

[25]

ebd.

[26]

KZGD: 26.448: Bericht des ehemaligen Häftlings Franz Scherz, S. 15.

[27]

ebd.

[28]

Riemer, E. Herrmann: Sturz ins Dunkel. München 1947, S. 192.

[29]

KZGD: 5685: Bericht des ehemaligen Häftlings Schmidt, Rupert.

[30] 

KZGD: Dachau-Prozeß-Akte: Boettger, Franz: Direct Examination; Vgl. auch KZGD: 5685: Bericht des ehemaligen Häftlings Schmidt, Rupert.

[31]

KZGD: 233: Bericht des ehemaligen Häftlings Pakullis, Heinrich.

[32]

Vgl. Gross,Karl A.: Fünf Minuten vor Zwölf. München 1947, S. 293.

[33] 

Weber, Karl: Ein Kapitel um Demokratie, Frieden, Sozialismus. Stuttgart 1982. S. 57 f.

[34]   

KZGD: 6585: Aussage von Degelow, Fritz, am 4. November 1946. Vgl. hierzu auch KZGD: Dachau-Prozeß-Akte: Boettger, Franz: Direct Examination.

[35]

Wimmer, Ulrich: Der Dachauer Todesmarsch - Ende April 1945. in: Heimatbuch Dorfen, Icking-Dorfen 1992, S. 205 ff.

[36]

Vgl. Gehrke, Robert in: Hitzer, a.a.O., S. 101.Vgl. auch Gross, a.a.O., S. 292.

[37] 

Wimmer, Ulrich: Dem Ende entgegen, Teil II, im Isar-Loisach-Bote vom 23.06.65. Vgl. auch KZGD: 15.786: a.a.O.

[38]

KZGD: 26.448: Bericht des ehemaligen Häftlings Scherz, Franz.

[39]

KZGD: 20.967: Bericht des ehemaligen Häftlings Malina, Leopold.

[40]

KZGD: 20.967: Bericht des ehemaligen Häftlings Malina, Leopold.

[41]   

Vgl.: KZGD: 6585: Eidesstattliche Aussage von Fritz Degelow vom 04.11.1945.

[42]

Sappl, Moritz, in: Hitzer, a.a.O., S. 107 f.  

[43]

KZGD: 20.967: Bericht des ehemaligen Häftlings Malina, Leopold.

[44] 

KZGD: 9.681: Bericht des ehemaligen Häftlings Gerke, Robert.

[45]

KZGD: 20.967: Bericht des ehemaligen Häftling Malina, Leopold.

[46]

KZGD: 26.448: Bericht des ehemaligen Häftling Franz Scherz

[47]

ebd.

[48] 

Deumlich, Paul, in: Hitzer, a.a.O., S. 82ff

[49]

Deumlich, Paul, in: Hitzer, a.a.O., S. 82ff. Vgl. auch KZGD: 26.448: Bericht des ehemaligen Häftling Franz Scherz: "Die am Vormittag neu angekommenen SS-Leute, hatten das Lager mit einer 2-3fachen Postenkette umstellt."

[50]

Deumlich, Paul in: Hitzer, a.a.O., S. 82 ff.

[51]  

ebd.

[52]

Deumlich, Paul in: Hitzer, a.a.O. S. 82 ff. Vgl. auch: KZGD: 21.726: Rüdrich, Dr. Karl: Der Todesmarsch der Dachauer Häftlinge, in: Volkszeitung vom 30. August 1945.

[53] 

Wimmer, a.a.O., Teil IV vom 06.07.1965.

[54]

Vgl.: KZGD: 6585: Eidesstattliche Aussage von Fritz Degelow vom 4.11.1945.

[55]

KZGD: 20.967: Bericht des ehemaligen Häftlings Malina, Leopold.

[56]

KZGD: 26.448: Bericht des ehemaligen Häftlings Franz Scherz.

[57]

KZGD: 20.967: Bericht des ehemaligen Häftlings Malina, Leopold.

[58]

Vgl.: KZGD: 6585: Eidesstattliche Aussage von Fritz Degelow vom 4.11.1945.

[59]

KZGD: 233: Bericht des ehemaligen Häftlings Pakullis, Heinrich.

[60]

Riemer, a.a.O., S. 185 ff.

[61]

KZGD: 5685: Bericht des ehemaligen Häftlings Schmidt, Rupert.

[62]

KZGD: 26.448: Bericht des ehemaligen Häftlings Franz Scherz, S. 24.

[63] 

KZGD: 21.726: Rüdrich, Dr. Karl: Der Todesmarsch der Dachauer KZ-Häftlinge, in: Volkszeitung Nr. 25 vom 30. August 1945.

[64]  

KZGD: 26.448: Bericht des ehemaligen Häftlings Scherz, Franz.

[65]

Gemeint ist hiermit wahrscheinlich die Kiesgrube, die sich in der Nähe im Wald befand.

[66]

KZGD: 26.448: Bericht des ehemaligen Häftlings Scherz, Franz.

[67]

Riemer, a.a.O., S. 185 ff.

[68]

KZGD: 5685: Bericht des ehemaligen Häftlings Schmidt, Rupert.

[69]

KZGD: Dachau-Prozeß-Akte, Band III: Sappl, Moritz: Direkt Examination, S. 758 f.

[70]

Sappl, Moritz, in: Hitzer, a.a.O. S. 107 f. Vgl. auch: KZGD: 9.681: Bericht des ehemaligen Häftlings Robert Gehrke: Er spricht von 53 Toten. Davon sollen 15 von der SS erschossen worden sein.

[71]

KZGD: 23.697: Aus: "Toten-Listen".

[72]

Yad Vashem: M-1/E-1262: "Der tojtn-marsz oif Tirol, Ibergenumen fun J. Szawinski Föhrenwald, durch di Hist. Kom. in Föhrenwald.

[73] 

KZGD: Dachau-Prozeß-Akte, Band III: Sappl, Moritz: Direkt Examination, S. 758 f.

[74]

Riemer, a.a.O., S. 185 ff.

[75]

ebd.

[76]

ebd.

[77]

ebd.

[78]

Gross, a.a.O., S. 294.

[79] 

KZGD: 20.967: Bericht des ehemaligen Häftlings Malina, Leopold.

[80]

KZGD: 20.967: Bericht des ehemaligen Häftlings Malina, Leopold.

[81]

KZGD: 26.448: Bericht des ehemaligen Häftlings Franz Scherz.

[82]

Riemer, a.a.O., S. 185 ff.

[83]

KZGD: 20.967: Bericht des ehemaligen Häftlings Malina, Leopold.

[84]   

KZGD: Dachau-Prozeß-Akte, Band III: Sappl, Moritz: Direkt Examination, S. 758 f.

[85]  

Sappl, Moritz, in: Hitzer, a.a.O., S. 107 f.

[86]

Riemer, a.a.O., S. 185 ff.

[87]

KZGD: 26.448: Bericht des ehemaligen Häftlings Franz Scherz.

[88]

KZGD: 20.967: Bericht des ehemaligen Häftlings Malina, Leopold; vgl. auch: KZGD: 9.681: Bericht des ehemaligen Häftlings Gehrke, Robert.

[89]

KZGD: 20.967: Bericht des ehemaligen Häftlings Malina, Leopold.

[90]

Vgl.: KZGD: 26.448: Bericht des ehemaligen Häftlings Franz Scherz, S. 26: "Am Nachmittag um etwa 14.30 Uhr hieß es antreten."

[91]

KZGD: 9.681: Bericht des ehemaligen Häftlings Gehrke, Robert.

[92]

Riemer, a.a.O., S. 185 ff.

[93]

ebd.

[94]

ebd.

[95]

KZGD: 26.448: Bericht des ehemaligen Häftlings Franz Scherz, S. 26.

[96]

KZGD: 20.967: Bericht des ehemaligen Häftlings Malina, Leopold.

[97]

ebd.

[98]

Riemer, a.a.O., S. 185 ff.

[99]

ebd.

[100]

KZGD: 20.967: Bericht des ehemaligen Häftlings Malina, Leopold.

[101]

Vgl. Weber, a.a.O., S.58 f. Weber schreibt von einer "Brücke bei Bad Tölz über die Isar", wo die Häftlingskolonne umkehrte. Meinen kann er jedoch nur die Loisachbrücke bei Eurasburg, die später gesprengt wurde, und wobei die Häftlingskolonne auseinandergerissen wurde. Dies schließe ich daraus, weil es unlogisch wäre, dass die ohnehin geschwächten Häftlinge von Bad Tölz bis nach Wolfratshausen wieder zurückmarschiert sein sollen, was in der von Weber             angegebenen Zeit auch nicht möglich war.

[102]

Vgl.: KZGD: 5685: Bericht des ehemaligen Häftlings Schmidt, Rupert. Dort heißt es: "Wir marschierten über Schwaigwull, Gebetsroith, Königsdorf und Kreid." Gemeint wird hier Schwaigwall und Geretsried.

[103]

KZGD: 5685: Bericht des ehemaligen Häftlings Schmidt, Rupert.

[104] 

Deumlich, Paul, in: Hitzer, a.a.O., S. 82 ff.

[105]

Riemer, a.a.O., S. 201 f.

[106]

ebd.

[107]

KZGD: 233: Bericht des ehemaligen Häftlings Pakullis, Heinrich.

[108]

KZGD: 20.967: Bericht des ehemaligen Häftlings Malina, Leopold.

[109]

ebd.

[110]

Riemer, a.a.O., S. 201 f.

[111]

KZGD: 26.448: Bericht des ehemaligen Häftlings Franz Scherz, S. 28.

[112]

KZGD: 5685: Bericht des ehemaligen Häftlings Schmidt, Rupert.

[113]

KZGD: 20.967: Bericht des ehemaligen Häftlings Malina, Leopold.

[114]

Riemer, a.a.O., S. 201 f.

[115]

KZGD: 20.967: Bericht des ehemaligen Häftlings Malina, Leopold.

[116] 

KZGD: 26.448: Bericht des ehemaligen Häftling Franz Scherz, S. 28 f.

[117]   

Vgl. KZGD: 15.786: a.a.O. und Katholisches Pfarramt St. Martin (Hrsg.), a.a.O., S. 53.

[118]

KZGD: 9.681: Bericht des ehemaligen Häftlings Gehrke, Robert.

[119]

KZGD: 233: Bericht des ehemaligen Häftling Pakullis, Heinrich.

[120]  

ebd.

[121]

KZGD: 9.681: Bericht des ehemaligen Häftlings Gehrke, Robert. Vgl. auch KZGD: 26.448: Bericht des ehemaligen Häftlings Scherz, Franz, S. 28 f.

[122]   

KZGD: 26.448: Bericht des ehemaligen Häftlings Scherz, Franz, S. 28 f. Vgl. auch: KZGD: 5685: Bericht der ehemaligen Häftlinge Schmidt, Rupert und Riemer, a.a.O., S. 203 ff.

[123]  

Katholisches Pfarramt St. Martin (Hrsg.): Festschrift zum 250jährigen Jubiläum der Pfarrkirche St. Martin. Waakirchen 1989, S. 53 f.

[124]

KZGD: 15.786: a.a.O.

[125]

KZGD: 5685: Bericht des ehemaligen Häftlings Schmidt, Rupert.

[126]

Riemer, a.a.O., S. 203 ff.

[127]

KZGD: 15.786: a.a.O.

[128]

KZGD: 27.960: Eiber, Ludwig: KZ-Außenlager in München. München 1992 (Manuskript), S. 32 f.

[129] 

Vgl. IGG: 120493: Schreiben von Shul, Abraham und IGG: 081293: Schreiben von Hahn, Dr. Franz.

[130]

Vgl. KZGD: 15.812: Shalit, a.a.O., S. 16. Vgl. Yad Vashem: M-1/2469: Kohs Josef: Und ich hab es doch überlebt, Tirschenreuth 1948, S. 27. Der Bericht wurde nach Aussagen von Arie Orembuch verfasst. Vgl. auch: Yad Vashem: M-1/2439: Kligerman, Leon: Protokoll vom 14.07.1948. IGG: 100293: Schreiben von Shul, Abraham.Der genannte SS-Angehörige wird in den vorhandenen Berichten unterschiedlich einmal als Hauptsturmführer und einmal als Sturmbannführer und Lagerführer des Konzentrationslagers Kaufering XI bezeichnet (Vgl. Shul, Abraham: a.a.O. und Kohs, Josef: a.a.O.).

[131]

Vgl.: IGG: 100293: Schreiben von Shul, Abraham.

[132]

IGG: 081293: Schreiben von Hahn, Dr. Franz.

[133]

Vgl.:Yad Vashem: M-1/2439: Kligerman, Leon: Protokollierte Aussage.

[134]

Vgl.: Yad Vashem: 015/1954: Lengyel, Ferencné: Protokollierte Aussage vom 29.08.1945.

[135]

Vgl.: Raim, a.a.O., S. 249 ff: Boris Tobias Iserlis wurde am 30. Mai 1919 als Kind russisch-jüdischer Emigranten in Berlin geboren. Er kam nach der Liquidierung des Ghettos Kowno nach Stutthof und von da ins Konzentrationslager Kaufering I. Hier wurde er Lebensmittelmagazinschreiber und Küchenkapo. Im November 1944 wurde Iserlis ins Lager Kaufering XI überstellt, wo er wahrscheinlich die Funktion eines Lagerältesten oder eines Lagerkapos hatte. Hier war er bald für seine Brutalität und sein hartes Durchgreifen bekannt. Iserlis soll Bestechungsgelder in Form von Zahngold von Häftlingen angenommen haben und ihnen dafür leichtere Arbeiten verschafft haben.Wie die SS-Leute unterwarf Iserlis die Häftlinge den Strafen des Lagersystems, indem er sie beispielsweise Strafstehen ließ oder Appelle im Regen abhielt. Nach dem Krieg wurde Iserlis in einem Dachau-Nachfolgeprozeß zu acht Jahren Freiheitsstrafe verurteilt. Er gab anfangs verschiedene dieser Untaten zu, stritt während des Prozesses jedoch alles ab und rechtfertigte sein Verhalten damit, dass er nur versucht habe, die Disziplin im Lager aufrechtzuerhalten. 

[136]

Vgl. KZGD: 15.321: Treyger, M.: Eidesstattliche Erklärung.

[137]

IGG: 071193: Schreiben von Hahn, Dr. Franz. Stiftung Dokumentationsarchiv des österreichischen Widerstandes: 510: Hahn, Dr. Franz: Interview ohne Datumsangabe, Teil 3,S. 15.

[138]

Yad Vashem: 015/1491: Adám, Károlyné und Keller, Erzsébet: Protokoll vom 22.Juli 1945

[139]

Vgl. KZGD: 15.812: Shalit, a.a.O., S. 17.

[140]

KZGD: 15.812: Shalit, a.a.O., S. 17. Vgl. auch: IGG: 100293: Schreiben von Shul, Abraham.

[141]

Vgl.: IGG: 120493: Schreiben von Shul, Abraham.

[142]

Vgl.: IGG: 100293: Schreiben von Shul, Abraham. KZGD: 15.812: Shalit, a.a.O., S. 17 f. Auch Shalit schreibt: "Mein Kamerad am Boden flüsterte mir ins Ohr: 'Laß uns von hier fortlaufen. Die Deutschen werden uns in die Luft sprengen. Sie haben rings um die Grundmauern Dynamit angebracht." Vgl auch: ZSL: Az.: IV 410 AR 2141/67: Nach einer Aussage des ehemaligen Häftlings Stanislaw Jurczak sollen vier Tage vor dem Eintreffen der Amerikaner bei dem Konzentrationslager Allach etwa 200 Russen in die Luft gesprengt worden sein.

[143]

Vgl.: IGG: 100293: Schreiben von Shul, Abraham. KZGD: 15.812: Shalit, a.a.O., S. 17 f. Yad Vashem: M-1/2439: Kligerman, Leon: Protokollierte Aussage vom 14.07.1948. Yad Vashem: 015/1954: Lengyel, Ferencné: Protokoll vom 29.08.1945.

[144]

Vgl.: KZGD: 15.812: Shalit, a.a.O., S. 17 f.

[145] 

Vgl.: KZGD: 15.812: Shalit, a.a.O., S. 18. Yad Vashem: 015/1954: Lengyel, Ferencné: Protokollierte Aussage vom 29.08.1945.

[146]

Vgl.: Yad Vashem: 015/1954: Lengyel, Ferencné: Protokollierte Aussage vom 29.08.1945.

[147]

 IGG: 071093 und 081293: Schreiben von Hahn, Dr. Franz.

[148]

Vgl.: Kogon, Eugen: Der SS-Staat. Das System der deutschen Konzentrationslager, München 1985, 15. Auflage, Taschenbuchausgabe, S. 186: "Gerne stellte Moll nackte Frauen an die Glühgrube, um sie nach Unterleibsschüssen in das Feuer stürzen zu sehen. Bei einem Häftling aus dem Sonderkommando fand er einmal einen Ring; er ließ den Gefangenen mit Benzin übergießen und anzünden. Einen Mann hängte er an den Händen auf und schoss so lange auf ihn, bis die Arme durchrissen; dann wiederholte er dasselbe an den Füßen. ... Von einer sechsköpfigen Familie tötete Moll einmal in Anwesenheit aller zuerst das jüngste, dann die älteren Kinder, zuletzt den Vater und die Mutter." Vgl.: auch: Aussage des ehemaligen Häftlings Dr. André Lettich in Kogon, Langbein, Rückerl: Nationalsozialistische Massentötung durch   Giftgas, Frankurt am Main 1986, S. 210 f und Czech, Danuta: Kalendarium der Ereignisse im Konzentrationslager Auschwitz-Birkenau 1939-1945, Reinbek bei Hamburg 1989, S. 769: Teilweise war es Moll selbst, der den zu ermordeten Menschen erklärte, dass sie gebadet und desinfiziert würden und, nachdem die Todeskammer gefüllt war, anschließend durch eine kleine Luke die Gasbüchse hineinwarf.

[149] 

Vgl.: BayHStA: Dachau Prozeß, Mikrofilm 89: Metzler, Wilhelm: Brief an das Rote Kreuz in Landsberg im Zusammenhang mit seinem Kriegsverbrecher-Prozeß 1947, ohne Datumsangabe.

[150]

Vgl.: Yad Vashem: M-1/2439: Kligerman, Leon: Protokollierte Aussage vom 14.07.1948.

[151]

Vgl.: KZGD: 15.812: Shalit, a.a.O., S. 18. Yad Vashem: 015/1491 Károlné, Adám, und Keller, Erzsébet: Protokollierte Aussage vom 22.07.1945.  BayHStA: Dachau-Prozeß, Mikrofilm 89: Metzler, Wilhelm: Brief an das Rote Kreuz in Landsberg im Zusammenhang mit seinem Kriegsverbrecher-Prozeß 1947, ohne Datumsangabe. KZGD: Dachau-Prozeß-Akte: Moll, Otto: Cross-Examination, S. 295.

[152]

Yad Vashem: 015/1491 Károlné, Adám, und Keller, Erzsébet: Protokollierte Aussage vom 22.07.1945.

[153]

Vgl.: IGG: 100293: Schreiben von Shul, Abraham.

[154]

BayHStA: Dachau-Prozeß Mikrofilm 89: Szajenberg, Monek: eidesstattliche Erklärung vom 26.11.1946.

[155]

Vgl.: KZGD: 15.812: Shalit, a.a.O., S. 19.

[156]

Yad Vashem: M-1/2469: Kohs, a.a.O.

[157]

Vgl.: Yad Vashem: M-1/2439: Kligerman, Leon: Protokollierte Aussage vom 14.07.1948.

[158]

Wilhelm Metzler wurde am 30. Januar 1901 in Danzig geboren. Er war als krimineller Häftling (grüner Winkel) in den Konzentrationslagern Oranienburg, Sachsenhausen, Flossenbürg, Augsburg, Horgau und zuletzt in Kaufering II inhaftiert. In mehreren Konzentrationslagern hatte er die Funktion eines Kapos. Metzler wurde mit Urteil vom 10. Juli 1947 wegen der "Teilnahme an Massengreultaten im Konzentrationslager Dachau" zu 10 Jahren Gefängnis verurteilt. Das                        Urteil wurde am 30. Januar 1948 bestätigt. Vgl. hierzu auch: BayHStA: Dachau-Prozeß, Mikrofilm 89: Gruenbaum, Tobias: Eidesstattliche Aussage über Mißhandlungen im KZ Horgau: "Jablonka krank und erklärte dem Blockältesten Metzler, dass er kann nicht arbeiten, nicht rausgehen, weil er krank ist, darauf hat er gesagt, Jude, du Drecksau, du mußt raus gehen und hat ihn mit dem Stock solange auf dem Kopf geschlagen, bis er halb gespalten war, dann ist er gestorben durch Schlagen. ... Wenn wir waren auf dem Appell, ließ er uns Juden in einer Reihe antreten und prügelte alle mit dem Stock durch, wohin er auch traf, meist auf den Kopf. Er hat jeden Tag bei jeder Gelegenheit geschlagen." Vgl. auch: BayHStA: Dachau-Prozeß, Mikrofilm 89: Laufer, Chaskiel: Eidesstattliche Aussage über Mißhandlungen im KZ Horgau: "Er (Metzler, Anm. d. Verf.) hat immer einen Stock gehabt und täglich sind mehrere Häftlinge von ihm geschlagen worden, er war ein recht gemeiner Schläger, damit er es bei der SS gut hatte."

[159] 

Auch das Gericht konnte Metzler nicht nachweisen, daß er an der Erschießung der 120 bzw. 150 Russen beteiligt war.

[160]

Vgl.: BayHStA: Dachau Prozeß, Mikrofilm 89: Metzler, Wilhelm: Brief an das Rote Kreuz in Landsberg im Zusammenhang mit seinem Kriegsverbrecher-Prozeß 1947, ohne Datumsangabe.

[161] 

KZGD: Dachau-Prozeß-Akte: Moll, Otto: Direct-Examination, S. 291 f.

[162]

Vgl.: IGG: 100293: Schreiben von Shul, Abraham. Yad Vashem: M-1/2439: Kligerman, Leon: Protokollierte Aussage vom 14.07.1948.

[163]

Vgl.: KZGD: 15.812: Shalit, a.a.O., S. 19 f. Bei dem erwähnten und als "Verräter" bezeichneten Mann, der erschossen wurde, handelte es sich wahrscheinlich um den Lagerführer von Buchberg. Er wurde mehreren Aussagen zufolge bei Kriegsende von den russischen Zwangsarbeitern erschlagen (Vgl. hierzu: Stadtarchiv Geretsried: Berichte von Zeitzeugen: Schaller, Heser, Reinmann).

[164]

IGG: 110694: Schreiben von Ginsburg, Waldemar. Vgl. auch: Ginsburg, Waldemar: Recolections of Prisoner No. 82336.

[165]

IGG: 071093: Schreiben von Hahn, Dr. Franz.

[166]

Vgl.: IGG: 100293: Schreiben von Shul, Abraham.

[167]

ebd.

[168]

Vgl.: KZGD: 23.715: Shárit ha-plátah Bavaria, Volume I 1945.

           

Vorheriges Kapitel

Inhalt

Nächstes Kapitel

Todesmarsch. Die Räumung und Teilräumung der

Konzentrationslager Dachau, Kaufering und Mühldorf Ende April 1945.

© a-wagner-online, Geretsried 1995-2007. Alle Rechte vorbehalten!

www.a-wagner-online.de